„Wir werden ihnen unsere Thesen an die Tür schlagen“:



ver.di Betriebsgruppe am Paul Gerhardt Stift in Wittenberg gegründet

Wittenberg, Sachsen-Anhalt, Geburtsstätte der Reformation. Eine Stadt, in der vor 500 Jahren einer den Hammer in die Hand genommen und seine Thesen an die Stadtkirche geschlagen hat. Martin Luther hatte gute Gründe.

Wittenberg, Paul Gerhardt Stift. Ein großes Diakoniekrankenhaus, wo die Beschäftigten zwar keinen Hammer in der Hand halten, aber trotzdem ihre Thesen bekannt machen. Auch sie haben gute Gründe.

Der Frust über die Belastungssituation am Krankenhaus war so groß, dass zuerst, über die Mitarbeitervertretung vermittelt, im Januar die zuständigen ver.di-Sekretäre der Bundesebene und des Bezirks vor Ort kamen und sich die massiven Nöte anhörten. Das Signal an die Beschäftigten: Da geht was. Und wenn da was geht, machen wir auch was, so Thomas Mühlenberg, ver.di-Sekretär vor Ort.

Von nun an ging es Schlag auf Schlag! Knapp 50 Eintritte in den letzten Wochen. Am 13. Februar Gründung der Betriebsgruppe, weitere zwei Mitgliederversammlungen und Teilnahme am Tag der Pflege am 12. Mai mit fast 100 Beschäftigten.

Und jetzt? Der Arbeitgeber hält sich zurück. Ein Gesprächsangebot von ver.di, um über die Belastungssituation zu reden, wurde mit Verweis auf die Mitarbeitervertretung abgelehnt. Hier werden wir nachhaken und nicht locker lassen. Gegebenenfalls lassen wir bestimmte Sachverhalte behördlich prüfen.

Natürlich wird auch Tarifpolitik ein Thema werden. Aber da ist noch einiges an Mitgliederentwicklung notwendig. ver.di ist vor Ort, wir unterbreiten unsere Angebote gemeinsam mit den Mitgliedern und wenn die Kolleginnen und Kollegen mit ihrem Eintritt in ver.di das Angebot annehmen, werden wir auch tarifpolitisch aktiv. Die Strukturen müssen stimmen und wir müssen durchsetzungsfähig werden. Das ist noch ein weiter Weg.

Wie war das mit Luther? Er wollte seine Kirche verändern und hat die Welt verändert.

So weit wollen wir gar nicht gehen. Die Arbeitsbedingungen müssen besser werden, die Bezahlung muss stimmen und wir wollen eine Tarifkommission, die entsprechend Artikel 9 des Grundgesetzes (Tarifautonomie) ihre Arbeit machen kann. Das reicht schon. Für die Kirche wäre das natürlich eine Veränderung der Welt. Für uns nur Normalität.

 

Steffen Podstawa, Anke Pötzsch, Thomas Mühlenberg