Pflegeheim St. Jacobi, Osterode: 

Gewerkschaft und Ärzte schlagen Alarm


Was ist los beim Alten- und Pflegeheim der Diakonie Harzer Land? Diese Frage stellen sich die Gewerkschaft ver.di und ein Kreis von Osteroder Ärzten. Beide sehen seit einiger Zeit das Wohl der Bewohner ebenso wie das der Beschäftigten in Gefahr. „Die Beschäftigten und die Mitarbeitervertretung (MAV) berichten uns von einem Klima der Angst und massiver Überlastung durch zu wenig Personal“, so Julia Niekamp von der Gewerkschaft ver.di. „Beides hat den Krankenstand in die Höhe schnellen lassen, worunter sowohl die verbleibenden Mitarbeiter als auch die Bewohner leiden. Nach Eindruck der MAV ist der Krankenstand insbesondere bei längeren Erkrankungen seit dem Geschäftsführerwechsel deutlich angestiegen. Zugleich wagen die Beschäftigten nicht, hausinterne Überlastungsmeldungen zu schreiben, da dies von der Geschäftsführung offenbar nicht gern gesehen wird. Auch die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten zwischen den Diensten  werden offenbar wiederholt nicht eingehalten, obwohl das wichtige Erholungszeiten sind.“ Auch die MAV selbst sieht sich seit dem Geschäftsführerwechsel starkem Druck ausgesetzt und in ihrer Arbeit massiv behindert: mehrere MAV-Mitglieder werden derzeit mit Kündigungen überzogen, so die Göttinger Anwaltskanzlei Feuerhahn, die die MAV und mehrere Mitarbeiter rechtlich vertritt. Und auch von anderer Seite wird Alarm geschlagen: Vertreter eines Kreises von Osteroder Haus- und Fachärzten, die sowohl Bewohner wie auch Beschäftigte des Pflegeheims behandeln, hatten den Geschäftsführer Helmut Huff wiederholt auf die aus ihrer Sicht unhaltbare Situation der Einrichtung hingewiesen. So habe man bei den ärztlichen Visiten wiederholt Personalmangel, insbesondere bei den examinierten Pflegefachkräften festgestellt. Außerdem häuften sich bei den Beschäftigten von St. Jacobi Fälle von Burnout und Angstzuständen, die sich auf die Arbeitssituation beziehen. „Das geht bis hin zur Suizidgefährdung und der Überweisung in  eine psychiatrische Fachklinik“, so Dr. Harro Küssner vom Osteroder Ärztekreis. Sein Kollege Thomas Kiesel bestätigt die Einschätzung seines Kollegen. Nach seinem Eindruck werden Beschäftigte gezielt unter Druck gesetzt und ein Klima von Angst und Mißtrauen bis hin zur gegenseitigen Bespitzelung unter den Mitarbeitern gesät. „Es entsteht das Bild eines knallharten Sanierers. Beschäftigte, die ständig hören, sie seien zu teuer, können kein gutes Verhältnis zur Leitung aufbauen.“ Auch nehme er einen ständigen Wechsel der Stationsbesetzungen wahr. Gerade Kontinuität und Vertrauen seien aber Voraussetzung für eine fachlich gute Betreuung pflegebedürftiger Menschen. „Bereits zweimal hat es aus unserem Kreis Gespräche mit Herrn Huff gegeben. Wir haben sehr deutlich gesagt, dass, wenn sich die Situation in seinem Haus nicht ändert, wir es nicht mehr verantworten können, St. Jacobi für eine Belegung zu empfehlen.“  Auch Niekamp fordert von den Verantwortlichen schnellstens Konsequenzen: „Die Diakonie Harzer Land wirbt als wertegebundener Arbeitgeber auf  ihrer Homepage ausdrücklich mit Verweis auf die >christliche Nächstenliebe<.  Bei der Geschäftsführung scheinen aber derzeit andere Werte im Vordergrund zu stehen. Die Diakonie und der Osteroder Aufsichtsrat müssen sich fragen lassen, ob sie ein solches Handeln ihres Geschäftsführers tolerieren oder im Sinne von Bewohnern und Mitarbeitern eingreifen wollen.“

 

 Julia Niekamp

 

Gewerkschaftssekretärin 

Fachbereich 3 - Gesundheitswesen, Soziale Dienste, Wohlfahrt u. Kirchen

 

ver.di-Bezirk Südost-Niedersachsen

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