GAMAV Thüringen / Aktuell

Stellungnahme des GAMAV zur Loyalitätsordnung

Vom Landeskirchenamt der Ev. - Luth. Kirche in Thüringen wurde der Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretungen im Diakonischen Werk der Ev. - Luth. - Kirche in Thür. e.V. um eine Stellungnahme zur EKD Grundordnung "Loyalitätspflichten" gebeten.

Hier der Wortlaut unserer Stellungnahme:

Stellungnahme zum Entwurf Loyalitätsordnung

Der Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretungen im Diakonischen Werk der Evangelisch - Lutherischen Kirche in Thüringen e.V. lehnt den vorliegenden Entwurf einer Loyalitätsordnung ab.

In fataler Weise erweckt dieser Entwurf Erinnerungen an die DDR - Vergangenheit. War es damals für die Karriere hilfreich, wenn nicht gar erforderlich, in die - einzig wahre - Partei einzutreten, so wird hier nun die richtige - einzig wahre - Kirchenmitgliedschaft zum Maßstab aller Dinge. Konkreter als in der DDR werden im § 5 /1 der Loyalitätsordnung sogar offen rechtliche Konsequenzen für Andersdenkende angedroht.

Wie in der DDR, so geht auch hier der verordnete Zwangsglaube weit an der Realität vorbei. Eine konsequente Anwendung der Loyalitätsordnung hätte zwangsweise die Schließung der meisten diakonischen Einrichtungen zur Folge. Hierbei geht es nicht nur um in jüngerer Zeit übernommene Einrichtungen mit einer geringen Prozentzahl rechtgläubiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nein nahezu jede diakonische Einrichtung müßte sich von den meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen verabschieden. Dies könnte dann nach folgendem Muster geschehen:

  1. Alle, welche nicht rechtzeitig in die richtige Kirche eintreten, werden entlassen,
  2. Gemäß § 5 c werden nun alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen,
    • Weil sie die Ehe gebrochen haben ( geschiedene ),
    • Schwul oder lesbisch sind,
    • Weil sie schon öfter gegen eins der 10 Gebote verstoßen haben
    • Oder weil sie eine solche Ordnung erlassen wollen, ohne den Grundsatz: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" zu beachten.

Diese Ordnung schadet nicht nur den einzelnen Einrichtungen. Sie untergräbt auch nachhaltig die Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Diakonie. So steht doch peinlicherweise im § 1 Abs. 3 AVR:

(3) Der diakonische Dienst geschieht im Auftrag Jesu Christi. Wer sich aus anderen Beweggründen zu diesem Dienst bereit findet, ist Mitarbeiterin und Mitarbeiter mit gleichen Rechten und Pflichten; sie bzw. er muß jedoch die evangelische Grundlage der diakonischen Arbeit anerkennen.

Sollten wir den Entwurf falsch verstanden haben? Geht es vielleicht um etwas ganz anderes? Kann es sein, daß unsere Kirche nur vor hat, ihre Finanzsituation zu verbessern, indem sie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - aber auch indirekt viele Arbeitssuchende - zwingt Kirchenmitglied zu werden und Kirchensteuern zu zahlen? - Wenn dies der wahre Beweggrund für solch eine sonderbare Ordnung ist, so empfehlen wir als nächste Stufe die Wiedereinführung des Ablasshandels - auch damit lassen sich die Einnahmen wirksam steigern.

Zusammenfassend müssen wir feststellen, daß der Entwurf bei strikter Anwendung hervorragend geeignet ist, die Personaldecke in den diakonischen Einrichtungen der neuen Bundesländer weiter auszudünnen. Vielleicht ist dies auch so gewollt? Oder haben die Autoren übersehen, daß in dieser Gegend in den zurückliegenden Jahren eine große Anzahl von Dienststellen in den Gültigkeitsbereich des MVG - EKG gekommen sind, in denen bis zu 95% der Mitarbeiter atheistisch geprägt sind. Ein Blick in die deutsche Geschichte der letzten 70 Jahre läßt dafür auch den Grund erahnen. Diesen Mitarbeitern wäre viel mehr mit einer Gleichbehandlung (Vergütung, Arbeitszeit) mit ihren westlichen Kollegen gedient. Darüber würden wir auch gern ernsthaft diskutieren.